
Die fünfte Staffel Princess Charming hat für jede Menge Aufsehen gesorgt. Ich habe mit Caro gesprochen, die selbst als Kandidatin in der Dating-Show in Thailand war, um die große Liebe zu finden. Es ist Herbst und die letzten Tage bis zur Ausstrahlung der finalen Folge von Princess Charming sind gezählt. Wir treffen uns im Café Treibgut in der Nähe vom Campus. Caro erzählt mir, dass es eins ihrer Lieblingscafés in der Stadt sei. Schließlich machen wir es uns mit Getränken, Caro nimmt trotz der kalten Temperaturen draußen einen Iced Matcha mit Hafermilch, und einem Stück Kuchen gemütlich.
Die aktuelle Staffel von Princess Charming hat aufgrund der bekannten Princess alle Zuschauerzahlen der letzten Jahre übertroffen. Mit Nessi hat sich RTL nicht nur irgendeine Influencerin, sondern vermutlich die größte deutsche lesbische Influencerin, als Princess ausgesucht. Da entsteht eine Menge Druck – vor allem bei den Kandidatinnen. Nach und nach machen sich die Kandidatinnen Gedanken, ob sie dem Druck gewachsen sind. Caro ist zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 25 Jahre alt und gerade erst für ihr Studium (Medienmanagement & -ökonomie) nach Köln gezogen. Auch ein öffentliches Outing vor dem Großteil ihrer Familie gab es bis dato noch nicht. Damit sticht sie neben den anderen Kandidatinnen heraus.
Caro hat selbst erst vor einigen Jahren realisiert, dass sie lesbisch ist. Rückblickend sagt sie: „Ich habe mich nie als mich selbst gefühlt.“ Vorher war sie in einer langjährigen hetero-Beziehung und hat ihrem damaligen Partner immer wieder von ihrer Neugier an Frauen erzählt. Daraufhin erhielt sie einen Freifahrtschein, danach gab es keinen Weg zurück. Andere Frauen aus dem Format Princess Charming nahm sie sich zum Vorbild.
Caro ist mit ihrer Geschichte nicht allein. Auch in der letzten Staffel der Datingshow, gab es eine Kandidatin, die sich erst mit 30 geoutet hat. Die beiden Kandidatinnen spiegeln also eine Lebensrealität von vielen Frauen wieder. Vor allem, durch unsere patriarchal geprägte Gesellschaft, wachsen wir mit der Vorstellung einer monogamen hetero Ehe als das Ideal auf. Außerdem gibt es einen starken Stereotypen, wenn es um lesbische oder bisexuelle Frauen geht. Durch Shows wie Princess Charming werden diese Stereotypen nach und nach gebrochen. Viele Zuschauer*innen können sich mit den Menschen im TV identifizieren und beginnen ihre eigene Sexualität zu hinterfragen. Eine ähnliche Erfahrung hat auch Caro selbst gemacht.
Die Story ihrer Anmeldung finde ich besonders interessant und typisch für die lesbische Szene in Köln. Sie stand gerade in der Schlange einer ihrer Lieblingspartyreihen („Why so Shy“), als sie die Bewerbungsunterlagen ausfüllt. Nach einigen weiteren Castingrunden bekam sie dann eine Zusage. Ab da ging alles super schnell und es hieß: Ab nach Thailand!
Während des Drehs gab es eine andere Kandidatin, die ihr Fels in der Brandung war – Bianca. Ein Gespräch zwischen den beiden öffnete letztlich Caros Augen, worauf sie freiwillig die Show verließ. Ihr wurde klar, dass sie sich mit ihren damals 25 Jahren keine Beziehung mit einer Frau, die bereits Mutter ist, vorstellen kann. Sie selbst wohnt wie die meisten Studierenden in einem WG-Zimmer. Da ist meist kein Platz für ein Kind. Ich und viele andere Zuschauer*innen sind berührt von dem ehrlichen Gespräch, was Caro dann zum Abschied mit der Princess führt. Obwohl sie eine der jüngeren Kandidatinnen war, hat sie sich augenscheinlich als Erste diesen sehr wichtigen Gedanken gestellt.
„5 Tage haben sich angefühlt wie 5 Monate.“ Die gesamte Zeit wird ohne Einflüsse von außen gelebt. Es gibt keine Smartphones, kein Netflix, nicht einmal ein Buch. Somit sind die Kandidatinnen gezwungen, sich mit sich selbst und ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Auch der Schlafmangel, der von der Produktion durch das frühe Wecken künstlich erzeugt wird, nagt schnell an der Substanz der Kandidatinnen.
Caro beschreibt ihre Gefühlslage während der Ausstrahlung der Show als durchwachsen. Sie habe sich selbst im TV nicht wiedererkannt. „Ich musste jede Folge dreimal anschauen, bevor ich abends zum Public Viewing gehen konnte.“ Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit zusammen mit dem Schlafmangel haben an allen Kandidatinnen gezehrt. Noch heute bekommt Caro viele Kommentare, die aufmunternd sein sollen. Sie hätte so einen Glow-Up nach der Show gehabt. Allerdings hinterlassen diese Kommentare eher ein negatives Gefühl bei der Kandidatin. Sie habe sich äußerlich seit den Dreharbeiten nicht verändert, die Kamera habe ihr Äußeres allerdings so anders dargestellt, dass sie sich selbst teilweise nicht wiedererkannte. Es hat einige Zeit gedauert, bis sie sich mit der Caro angefreundet hat, die in der Show gezeigt wurde.
Ich frage sie, wie es nach dem Dreh für sie weiterging, ob sich ihr Alltag geändert hat. Sie erklärt, dass sie vor allem in Köln häufig erkannt wird und man sich daran erst gewöhnen muss. Besonders schwierig waren die letzten Monate für sie, in denen sie bereits in einer glücklichen Beziehung mit einer anderen Kandidatin war, aber diese vor der Öffentlichkeit verheimlichen musste. „Liebe sollte etwas Schönes sein.“ Und man sollte es teilen können. Daher zählt Caro schon längst die Tage bis zum großen Wiedersehen, damit sie endlich Klarheit schaffen kann.
Langfristig sieht sich Caro dann doch eher hinter der Kamera und im Management. Dennoch möchte sie die Plattform, die sie nun erhalten hat, nutzen. Sie möchte mit ihrer Geschichte aufklären und das Vorbild sein, was ihr selbst lange gefehlt hat. Bei ihr gibt es keinen 0815-Content, sondern Content mit Impact.
Princess Charming ist eine queere beziehungsweise lesbische Datingshow, angelehnt an das Format Bachelor. Hierbei gibt es eine Princess Charming, die von den Kandidatinnen gedatet wird. Bei unterschiedlichen Gruppen- und Einzeldates lernt die Princess die Kandidat*innen näher kennen. Regelmäßig schickt die Princess Kandidat*innen nach Hause, bis es eine*n Gewinner*in gibt, die nicht nur die Show, sondern im besten Fall auch das Herz der Princess gewonnen hat.
Caros queere Film- und Serienempfehlungen:
Heartstopper
Sex Education
Bonnie und Bonnie
Blau ist eine warme Farbe
Caros queere Podcast-Empfehlungen:
Lesbeonst (Podcast ihrer Mitstreiterin Shirine)
Sippen & Yappen
Von Hannah Kleibolde
Beitrag erstellt am: 16.12.2025 um 05:55 Uhr
Letzte Änderung am: 16.12.2025 um 05:55 Uhr