
Ich schreibe diesen Artikel, während 4739 Tabs und Fenster geöffnet sind. Mehrere E-Mail-Accounts, Recherche für Abgaben und Artikel, ein Code-Editor, Lebenslauf, Spotify und Musik von einem unbekannten Tab. Genauso fühlt sich mein Leben momentan an. Mein Laptop geht nur in den Stromsparmodus, statt ganz herunterzufahren. Die Metapher schreibt sich selbst.
Ich mag es, viele Projekte gleichzeitig zu haben. Es gibt Tage, an denen ich von morgens bis abends unterwegs bin, von einer Schicht zur nächsten gehe, mit Arbeitskleidung in den Rucksack gestopft und ein Outfit, um Freund*innen nach Feierabend zu treffen. An anderen Tagen gehe ich von der Bibliothek zum Sport und schleppe abends Rucksack, Sporttasche und Einkaufstüten in die Dachgeschosswohnung. Ein Sport für sich.
Nach einer physisch und mental erschöpfenden Phase, versuche ich aktiv meine Routinen zu überdenken und neue Elemente zu integrieren. Stichwort Self-Care: Von Tageslichtlampe, Gua Sha, Vitaminen bis zu Ingwershots. Das funktioniert mal besser, mal schlechter. Der erste Gedanke – der Tag hat zu wenig Stunden. Doch würden mir mehr Stunden am Tag mir helfen oder würde ich nur mehr Aufgaben auf meine Agenda setzen? Haben wir zu wenig Zeit oder überladen wir die wertvolle Zeit, die wir haben?
„Genauso fühlt sich mein Leben momentan an. Mein Laptop geht nur in den Stromsparmodus, statt ganz herunterzufahren.“
Laut dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse berichten Studierende von steigenden Stresslevel und verschlechterte mentaler Gesundheit. 2015 beantworteten nur 44%, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten erschöpft durch Stress waren. 2023 waren es schon 2/3 der Befragten mit 68%. Eine selbst durchgeführte Umfrage von Studierenden und jungen Berufstätigen bestätigt diesen Trend und den Wunsch auf Veränderung. Viele empfanden ihre eigene WLB als zufriedenstellend, beobachteten tendenziell aber ein Ungleichgewicht im privaten Bereich. Diese Imbalance würden sie aber lediglich temporär akzeptieren. Vermehrt äußerten sie auch den Wunsch nach einem reformierten Vollzeitarbeitsmodell, mit zehn Wochenstunden weniger. Trotz reduzierter Arbeitszeitwünsche, wurde dennoch stark der Wunsch auf berufliche Selbstverwirklichung ausgedrückt.
Die Umfrage zeigt, dass keine allgemeine Arbeitsunlust herrscht. Vielmehr bildet sich eine wachsend überlastete Gesellschaft ab und die Notwendigkeit von angepassten Strukturen für individuelle Lebenspläne. Das heißt, dass der Tag nicht mehr Stunden braucht. Stattdessen bedarf es Möglichkeiten, die vorhandene Zeit umverteilen und effizienter nutzen zu können.

Reicht deine Zeit oder verzettelst du dich mit Terminen? Nimm einen Moment zur Selbstreflektion. Bist du unzufrieden mit bestimmten Lebensbereichen? Schiebst du Aufgaben auf und kannst dann deine Freizeit genießen? Hast du genug geschlafen, getrunken und dich ausreichend bewegt? Bei einem dauerhaften Ungleichgewicht kann eine Umstrukturierung deiner Routinen mit effizienterer Zeitnutzung hilfreich sein. In Prüfungsphasen kennen wir alle, dass wir manche Dinge vernachlässigen. Aber du darfst niemals Abstriche bei deiner Gesundheit machen. Am Ende schreiben sich krank auch keine guten Noten. Hier ein paar Tipps:

Du bist nicht allein. Die Uni bietet Hilfe an bei der psychologischen Beratung und Studienberatung. Wenn du mit Gleichgesinnten über deine Probleme sprechen willst, kannst du dich auch an deine Fachschaft richten.
Nach einer stressigen Phase versuche ich täglich meine Routinen und Balance zu evaluieren. Momentan hilft mir eine stabile Morgenroutine einzuhalten. Bestenfalls wach ich ausgeschlafen aus und beginne mit einer kurzen Meditation, statt Social Media. Dabei bin ich mal mehr oder weniger konzentriert, aber die Handlung selbst gibt mir einen kurzen Moment der Entschleunigung. Danach führe ich meine Skincare-Routine im Licht meiner Tageslichtlampe durch, wobei im Hintergrund die Tagesnachrichten laufen. Eine Balance aus Entspannung und Stress. Während mein Kaffee kocht, nehme ich Vitamine und Ingwershot ein. Für die Gesundheit und den Genuss. Nicht immer gelingt es mir, aber eine erfolgreiche Grundroutine gibt mir die notwendige Beständigkeit, um motivierter und energievoller in meine unterschiedlich getakteten Tage zu starten.
Ich bevorzuge eine Trennung von Privat- und Arbeitssphäre, etwa durch Lernen in der Bibliothek und Sport im Fitnessstudio. Besonders während Corona hatte mir sonst der Anblick meines Betts jegliche Motivation geraubt. Früher bestand meine nächtliche Routine aus einem intensiven Workout, ausgiebigen Pflegeroutinen, kreativem Ausgleich zur Musik und einem entspannenden Buch. Das hat definitiv besser beim Einschlafen geholfen als Doomscrolling auf Instagram. Mittlerweile schaffe ich es weniger, meine Zeit abends aktiv zu nutzen und fokussiere mich mehr aufs Abschalten. Je nachdem, ob noch eine Deadline ansteht oder ich zu viele ungelesene Chats habe, funktioniert auch das mehr oder weniger. Deswegen muss ich täglich meine Routinen und Tagesplanung evaluieren und anpassen, um nicht von der nicht sinkenden Last von beruflichen sowie sozialen Verpflichtungen überwältigt zu werden. Vielleicht kann mein Tag nicht mehr Stunden haben, aber so können mehr Stunden mir gehören.
Jede*r hat eine eigene ideale WLB und Routine. Unser Lebensalltag ist so dynamisch wie die Welt selbst und für manche funktionieren feste Zeitpläne. Manchmal nur phasenweise, je nach Lebenslage. Wir dürfen uns nicht zu sehr in diese festfahren. Teilweise war eine unvollständige Self-Care-Routine für mich belastend, weil das bereits der erste Fehlschlag im Tag war. Es ist wichtig zu realisieren, dass eine übersprungene Meditation nicht mein Leben aus dem Gleichgewicht bringt. Genauso ist eine schlechte Prüfung oder eine vergessene Arbeitsmail kein Beinbruch. Wir sollten uns nicht von unerfüllten To-Do-Listen stressen lassen. Solange du dein Wohlbefinden im Blick hast, gibt es immer noch ein Morgen.
Belastet im Studium oder Leben? Wo finde ich Hilfe?
Für studienbezogene Beratung:
Psychologische Beratung
Servicezentrum Inklusion
Studierenden-Service-Center (Gebäude 102)
Universitätsstr. 22a
50937 Köln
Für Beratung bei privaten Konflikten und Belastungen:
Psychologische Beratung des Kölner Studierendenwerks (KStW)
Universitätsstr. 14
50937 Köln
Tel. 0221 94265 – 572
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Do 14.00 – 16.30 Uhr
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Von Kim Nguyen
Beitrag erstellt am: 26.07.2025 um 21:13 Uhr
Letzte Änderung am: 26.07.2025 um 21:14 Uhr