Wenn du dir eine*n Traumpartner*in basteln könntest, wie müsste die Person sein?

Ein Mann und eine Frau tanzen eng zusammen
Fasziniert beobachtet Alma (Maren Eggert, links) den für sie persönlich programmierten Androiden Tom (Dan Stevens, rechts) beim ersten Treffen in einem Tanzclub. Foto: Christine Fenzl / Majestic.

Der Film Ich bin dein Mensch bricht auf in eine Zeit neuer Technologien und wirft gleichzeitig alte Fragen auf.

Wer träumt nicht auch manchmal von der idealen Person: aufmerksam, klug, loyal. Schön und romantisch sollte sie auch noch sein, was immer das Herz eben begehrt. Warum die perfekte Person in der Realität doch nicht immer die erhoffte Erfüllung bringt, das erlebt die Protagonistin Alma (Maren Eggert) in Ich bin dein Mensch. Das Erzählen ihrer Erfahrungen hat dem erfolgreichen Film nicht nur einige renommierte deutsche Filmpreise wie den Silbernen Bären 2021 eingebracht, sondern auch eine Nominierung für die Oscar-Verleihung 2022.

Realität trifft Roboter

Ich bin dein Mensch ist eine 2021 in Deutschland erschienene Near-Future Komödie, produziert von der Letterbox Filmproduktion. Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Emma Braslavsky, verdankt der Film sein Drehbuch und seine Regie Maria Schrader. Ich bin dein Mensch handelt von der Wissenschaftlerin Alma, die an einer Studie zu humanoiden Robotern teilnimmt. Im Rahmen dieser Studie soll sie für drei Wochen mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Roboter namens Tom (Dan Stevens) zusammenleben. Alma ist zunächst wenig begeistert von dieser Idee, willigt schließlich aber aufgrund des Geldes ein. Im Gegensatz zum schönen, perfekten Tom mit dem britischen Akzent ist Alma keine Erfolgsgeschichte: Ihr alterskranker Vater ist mit seinem katastrophalen Lebensstil regelmäßig auf ihre Hilfe angewiesen, ihre Forschungsarbeit muss überraschend abgebrochen werden und ihre letzte Beziehung scheiterte. Nach und nach gelingt es Tom immer besser, seinen Algorithmus an Almas Vorlieben und Gewohnheiten anzupassen, sodass diese sich immer mehr öffnet.

Ich bin dein Mensch?

Mit seinem Gespür für die leisen Momente des Alltags zeigt der Film auch die Situationen, in denen das Leben trist und schwierig und alles andere als perfekt ist. Die fast liebevolle Darstellung dieser menschlichen Verwundbarkeit spiegelt sich nicht nur im Soundtrack wider, sondern findet sich auch in Almas Charakter. Im Laufe des Films gibt die eher verschlossene Wissenschaftlerin immer mehr ihrer Ängste und Erfahrungen preis, wodurch die Zuschauer*innen sie Schritt für Schritt kennenlernen. Es ist das Aufeinandertreffen jener Welt mit der des glatten Roboters Tom, das das Fundament für eine Komik voller Absurdität und jeder Menge bizarrer Situationen bietet.

Der Titel des Films scheint als solcher in die Leere zu laufen – wie kann es ein Ich und ein Du geben, wenn das Gegenüber ein technisches Produkt ist; eine Illusion, die nach Belieben gestaltet und erworben werden kann? Almas Kampf mit der Illusion einer authentischen Liebesbeziehung zeigt sich in vielen alltäglichen Situationen und bleibt auch von ihr selbst nicht unbemerkt. Gleichzeitig testet sie immer wieder Toms Grenzen. Sie provoziert ihn, benutzt ihn, beschützt ihn. So wird die Beziehung der beiden immer wieder neu ausgehandelt und ihre Dynamik wechselt stetig. Tom mag keine Gefühle empfinden können, aber die von ihm in Alma ausgelösten könnten authentischer nicht sein.

Nicht nur Almas, sondern auch unser Leben wird aller Voraussicht nach immer mehr von Robotern und künstlichen Intelligenzen geprägt werden. Solche Aufbrüche in neue Lebensphasen sind umso schwieriger, wenn der eigene Ausgangspunkt unklar ist. Anstatt sich auf technologisches Know-How oder Ähnliches zu konzentrieren, geht es Maria Schrader um die Frage nach dem Kern des Menschseins. Ich bin dein Mensch erinnert dabei an eine Art Ausflug mit Reiseführer. Um die Antworten des Films auf diese Frage zu erfahren, reicht es, einfach Almas Gesprächen und Gedanken zuzuhören. Wer mehr entdecken möchte, wird aber auch mehr finden.

Ein Mann und eine Frau stehen in der Küche vor einem Tisch
Perfekt so? Vielleicht ein wenig zu sehr. Tom (Dan Stevens, rechts) hat über Nacht „aufgeräumt“ und Frühstück vorbereitet. Alma (Maren Eggert, links) staunt fassungslos. Foto: Majestic.

Schräge Komik statt ausgelassener Lacher

Wer eine Komödie zum ausgelassenen Lachen sucht, wird hier sicherlich nicht fündig werden. Auch handelt es sich nicht um einen Film, der eine grundsätzlich neue Perspektive auf das Leben und Menschsein wirft. Wer aber einen Sinn für schräge Komik hat und sich auf die Charaktere und den Plot einlässt, wird dies nicht bereuen. Ob Ich bin dein Mensch nun gefällt oder nicht: Die Auseinandersetzung mit humanoiden Robotern wird uns in der Zukunft weiter begleiten. Ein mittlerweile sehr bekanntes Exemplar ist Sophia. Entwickelt vom Hongkonger Unternehmen Hanson Robotics wurde sie 2017 öffentlich vorgestellt und erhielt im selben Jahr sogar einen saudi-arabischen Pass.

Ich bin dein Mensch (internationaler Titel: I’m your man), Deutschland 2021, Regie: Maria Schrader. Hauptdarsteller*innen: Maren Eggert als Alma und Dan Stevens als Tom. Als DVD (auch Blu-ray) erhältlich.
Hörenswert: Soundtrack von Tobias Wagner.

Von Jana Gürntke

Beitrag erstellt am: 16.07.2022 um 06:10 Uhr
Letzte Änderung am: 16.07.2022 um 06:10 Uhr

Portrait Jana Gürntke

... ist 20 Jahre alt und studiert Französisch und Linguistik im dritten Semester. Auch neben dem Studium ist es fast unmöglich, ein sprachbezogenes Thema zu finden, für das mensch sie nicht begeistern kann. Zu einem guten Tag gehören für sie außerdem gute Musik – gerne französischer Pop, aber auch klassische Musik im Chor – und natürlich gute Freunde.