von sylvias feigen und schrödingers katze

Illustration: Anja Blaser

die leeren fotoalben starren quer durch den raum
und mich erwartungsvoll an.

ich habe sie an die wand geredet
mit den ewigen grübeleien,
mit den gedanken, die wie schwere
nass-dreckige lumpen
von meinem schädel in den brustkorb platschen
und deren schwitzig saurer sud mit den worten
aus wieder meinem mund spritzt.

nach hunderten kilometern habe ich also festgestellt,
dass fortschritt und weglaufen gleich aussehen,
wenn ich sie nur mit erfolg anmale.
und siehst du?
die verzweifelung passt gerade noch in die rastlosigkeit.
dann muss das wohl so sein.

zu gehen oder zu bleiben,
wer sich das fragt, hat immer was zu tun.

angekommen sein, das ist ein gefühl,
von dem ich glaube,
ich müsse es mir verdienen,
damit es dennoch eine strafe bleibt.
ins überleben hinein arbeite ich
die arbeit weiter und mich ab.

kurz vor dem ausbrennen,
so mein habitus,
brenne ich durch.

herzlichen glückwunsch,
routiniert in die zukunft
durch immer wieder selbstverwüstung.

so war es schon immer und bleibt –
eben wie das heimliche unheimlich,
wenn die größte angst ist,
dass die dinge wieder werden, wie sie waren.

bei aller liebe:
ich glaube,
dass sich schrödingers katze sich längst erhängt hat.
und dass sylvias feigen noch nie reif waren.
trotzdem ich esse mich an ihnen krank.

morgen zum frühstück gibt es dann galle
und ich geb niemandem was ab.

(begraben wird die katze danach.)

Von Eva Zirker

Beitrag erstellt am: 16.05.2021 um 09:00 Uhr
Letzte Änderung am: 17.05.2021 um 15:37 Uhr

Portrait

... studiert Anglistik und Germanistik. Ständig umgeben von ihren Freund*innen oder Büchern, schafft sie es dennoch zu viel online zu sein.