Ob in Zeitschriften, auf Reklametafeln oder in den sozialen Medien: Wer dem Begriff „Superfood“ bisher entkommen konnte, gehört in Deutschland, zumindest in unseren Metropolen, zu einer raren Spezies. Überall scheinen sie präsent zu sein: Jeder besitzt sie, Sterneköche schreiben ganze Bücher darüber, Supermärkte erweitern ihr Sortiment.
Ob Moringa-Pulver, Goji-Beeren oder Chiasamen: Bei den trendigen Produkten handelt es sich um „Optimierer“, die uns nach erfolgreicher Einnahme schlanker, gesünder, einfach besser machen sollen. Für unsere nach Selbstoptimierung strebende Gesellschaft ist das natürlich im wahrsten Sinne des Wortes gefundenes Fressen. Glänzende Haut, strahlende Haare, der perfekte Vitaminhaushalt und die optimale Fitness sind es uns wert, mitunter ungewöhnlich große Geldsummen für diese kleinen, feinen Produkte auszugeben. Doch was sind eigentlich Superfoods, woher kommen sie und halten sie tatsächlich ihre Versprechen? Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Der Begriff „Superfood“ ist ein reiner Marketingbegriff. Er wurde bereits Ende des 20. Jahrhunds von der Nahrungsmittelindustrie kreiert. Bekannt geworden ist er allerdings erst in den letzten Jahren. Laut dem Oxford English Dictionary beschreibt er „nährstoffreiche Lebensmittel, die als besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden erachtet werden“.
Zu den wohl bekanntesten Superfoods gehören Chiasamen, Acai- und Goji-Beeren. Die meisten Superfoods werden mit einer besonders gesundheitsfördernden Wirkung in Zusammenhang gebracht. Einen wissenschaftlichen Beweis für den tatsächlichen Gesundheitsvorteil beim Verzehr der Produkte gibt es bisher nicht.
Der Ursprung von Superfoods liegt in verschiedenen, oftmals exotischen Ländern. Chiasamen beispielsweise, die aufgrund ihrer gesunden Protein- und Fettquelle zu den Superfoods gehören, stammen ursprünglich aus Mexiko. Moringa-Pulver, welches aus der Moringapflanze gewonnen wird, kommt zu größten Teilen aus afrikanischen Ländern wie Namibia, wohingegen die Acai-Beere vor allem in Brasilien, Ecuador und Kolumbien wächst. Damit wir sie verzehren können, müssen die Produkte erst nach Europa geliefert werden.
Der britische Sternekoch Jamie Oliver erklärt, er sei für eines seiner Bücher um die ganze Welt gereist und mit einer Sammlung der besten Nahrungsmittel von den exotischsten Orten zurückgekehrt, die unserer westlichen Gesellschaft ein langes und besonders gesundes Leben ermöglichen sollen. Es steckt also vermutlich auch ein großer Anteil an Marketing-Strategie hinter dem Verkauf von Superfoods in Europa.
Werde ich früh sterben, wenn ich mir Superfoods nicht leisten kann?
Da Superfoods einen hohen Vitamin- und Nährstoffgehalt haben, kann es auf keinen Fall schaden, sie regelmäßig zu sich zu nehmen. Um ein ausgewogenes Leben zu führen, sind sie den Lebensmittelexpert zufolge jedoch nicht notwendig. Der schädliche Effekt, den der Import und Export der Produkte auf unsere Umwelt hat, ist auch nicht zu vernachlässigen. Viele exotische Superfoods können tatsächlich auch durch lokale, günstigere und ebenso vollwertige Lebensmittel ausgetauscht werden. Diese sind vielleicht nicht so „trendy“, versprechen aber ein mindestens genauso langes Leben und schmecken dazu auch noch ausgezeichnet.
Wir haben eine kleine Liste mit Produkten zusammengestellt, die unseren Körper rundum versorgen, aber trotzdem noch Geld für ein abendliches Bierchen oder einen Festival-Besuch übriglassen. Mit diesen Food-Heroes haben auch Studierende die Möglichkeit, sich ohne großen Kostenaufwand eine eigene kleine Superfood-Abteilung im Regal zu schaffen:
Natürlich ist es möglich, seinen Körper auch ohne Wunderprodukte mit allen essentiellen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Die oben genannten Produkte können aber als Unterstützung dienen, sie sind günstig, lecker und fast alle von ihnen fördern die lokale Lebensmittelindustrie.
In Kombination mit dem regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse sowie einem ausgewogenen Lebensstil bilden sie eine gute Voraussetzung für eine langfristige körperliche Gesundheit. Und weil die seelische Gesundheit mindestens genauso wichtig ist wie die körperliche, sollten wir auf das abendliche Feierabendbier mit den KommilitonInnen unter keinen Umständen verzichten.
Von Theresa Althaus
Beitrag erstellt am: 20.03.2019 um 08:39 Uhr
Letzte Änderung am: 09.11.2019 um 23:38 Uhr